Wie führe ich eine App für Ehrenamtliche in einem Pflegeheim ein?

Sie führen eine App für Ehrenamtliche in einem Pflegeheim in sechs Schritten ein: Ausgangslage klären, Tätigkeiten festlegen, Ehrenamtsstrategie entwickeln, Ehrenamtliche gewinnen, mit einer kleinen Gruppe pilotieren, auswerten und ausrollen. Vier Monate nach dem Start mit Nyby engagierten sich im Seniorenzentrum St. Martin in Essen 35 Ehrenamtliche. Vorher waren es fünf.

Das Wichtigste in Kürze

- Legen Sie fest, welche Tätigkeiten Ehrenamtliche übernehmen und welche beim Fachpersonal bleiben.

- Klären Sie den Datenschutz, bevor sich die erste Ehrenamtliche in der App registriert.

- Benennen Sie eine feste Ansprechperson im Haus.

- Starten Sie mit einer Station und legen Sie vorab fest, woran Sie den Pilot messen.

- Planen Sie Schulung und Begleitung von Anfang an ein.

Stammtisch der ehrenamtler in st martin

Wann reicht manuelle Ehrenamtskoordination, und wann lohnt sich eine App?

Telefonliste und E-Mail-Verteiler reichen, solange wenige Ehrenamtliche feste Termine haben. Eine App lohnt sich, wenn Tätigkeiten kurzfristig anfallen, Ehrenamtliche mit vollem Terminkalender flexibel zusagen möchten und Ihr Team jede Rückmeldung von Hand nachhalten muss. Dann entfallen die Telefonate und Nachfragen.

Telefon und E-Mail

Ihr Team ruft an oder schreibt, und die Koordination hält jede Rückmeldung nach. Das passt, wenn wenige Ehrenamtliche feste Termine haben. Sie brauchen vor allem Zeit für die Koordination.

Koordinierungsstelle, zum Beispiel eine Freiwilligenagentur

Die Stelle gewinnt Ehrenamtliche und vermittelt sie an Einrichtungen. Stelle und Einrichtung halten Rückmeldungen gemeinsam nach. Das passt für die regionale Vernetzung mehrerer Einrichtungen. Sie brauchen Kontakt zur Stelle vor Ort.

App für Ehrenamtliche

Ehrenamtliche sehen Anfragen auf dem Smartphone und melden sich selbst. Die App zeigt, wer aktiv ist. Das passt bei vielen Ehrenamtlichen und kurzfristigen Tätigkeiten. Sie bereiten die Datenschutzklärung und die Einweisung der Ehrenamtlichen vor.

Das Modellprojekt der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis (2004 bis 2006), das der GKV-Spitzenverband dokumentiert, zeigt den mittleren Weg. Eine Koordinierungsstelle gewann Ehrenamtliche, schulte in jeder Einrichtung eine feste Ansprechperson und begleitete die Ehrenamtlichen in monatlichen Treffen. Eine App ersetzt diese Ansprechperson nicht. Jeder der drei Wege braucht sie.

Was muss ich beim Datenschutz beachten, wenn Ehrenamtliche in einem Pflegeheim eine App nutzen?

Klären Sie vor dem Start mit der oder dem Datenschutzbeauftragten Ihres Hauses, welche Daten die App von Ehrenamtlichen und Bewohner*innen verarbeitet, wo sie liegen und wer Zugriff hat.

Gesundheitsdaten zählen nach Artikel 9 der DSGVO zu den besonderen Kategorien. Je weniger Bewohnerdaten eine Anfrage enthält, desto kleiner ist der Klärungsbedarf.

Eine Anfrage nach einer Begleitung zum Arzt am Dienstagvormittag kommt ohne Diagnose und ohne Pflegedaten aus. Die Katholische Pflegehilfe Essen hat laut der Zeitschrift Aktivieren bei der Einführung zuerst Datenschutz und Technik geklärt. Stellen Sie jedem Anbieter diese Fragen:

  • Wo liegen die Daten, und wer hat Zugriff?
  • Gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?
  • Welche Angaben zu Bewohner*innen stehen in einer Anfrage?
  • Wie werden die Daten einer Ehrenamtlichen gelöscht, wenn sie aufhört?
  • Wie holen Sie die Einwilligung der Ehrenamtlichen ein?

Schritt 1: Wie klären Sie die Ausgangssituation?

Halten Sie schriftlich fest, wie viele Ehrenamtliche heute aktiv sind, wer sie koordiniert und wo Zeit verloren geht. Notieren Sie auch, welche Wünsche von Bewohner*innen unerfüllt bleiben, etwa Spaziergänge oder Begleitungen. Diese Zahlen sind später Ihre Vergleichsbasis für die Auswertung.

Prüfen Sie dazu, wie viele Rückmeldungen pro Woche per Telefon und E-Mail eintreffen und welche Tätigkeiten liegen bleiben. Ohne diese Ausgangslage lässt sich nach dem Pilot nicht sagen, was sich verändert hat.

Schritt 2: Welche Tätigkeiten eignen sich für Ehrenamtliche?

Ehrenamtliche übernehmen Begleitungen zum Arzt, Besuche, Spaziergänge, Vorlesen, Spiele und Gruppenangebote. Körperpflege, Medikamentengabe und Wundversorgung bleiben beim Fachpersonal. Legen Sie diese Grenze fest, bevor die erste Anfrage in der App steht, denn die App zeigt nur, was Sie vorher definiert haben.

Wie Sie die Grenze ziehen und wer bei Fehlern haftet, erklärt unser Artikel zur Software, die Pflegepersonal bei der Koordination von Ehrenamtlichen entlastet.

Schritt 3: Wer koordiniert, und welche Ehrenamtsstrategie gilt?

Benennen Sie eine feste Ansprechperson im Haus. In Essen führt eine neutrale Mitarbeiterin die Vorstellungsgespräche und holt die Führungszeugnisse ein, berichtet die Zeitschrift Aktivieren. Legen Sie außerdem fest, wie viele Ehrenamtliche Sie für welche Tätigkeiten suchen und wie Sie Rückmeldung und Dank organisieren.

„Ehrenamtliche sind das Herzstück unserer Gemeinschaft. Durch die App können wir ihre Einsatzmöglichkeiten erweitern und gleichzeitig den Bedürfnissen unserer Klienten besser gerecht werden.“

~Markus Kampling, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Katholischen Pflegehilfe

Das Modellprojekt in Halle schulte die Ansprechpersonen zu Rahmenbedingungen, Anerkennung, Konfliktmanagement, Planung der Tätigkeiten und rechtlichen Grundlagen. Halten Sie diese Ehrenamtsstrategie auf einer Seite fest, bevor Sie die ersten Ehrenamtlichen einladen.

Schritt 4: Wie gewinnen Sie Ehrenamtliche für die App?

Sprechen Sie Menschen an, die einen vollen Alltag haben und trotzdem helfen möchten. Mit Nyby melden sich Ehrenamtliche nur, wenn der Termin passt. Wer keine Zeit hat, muss nichts zurückmelden. Im Seniorenzentrum St. Martin sind 40 Prozent der Ehrenamtlichen jünger als 40 Jahre.

„Ehrenamt macht Spaß! Wir brauchen mehr mediale Unterstützung, damit die Möglichkeiten und Chancen mit der ‚Pflegeoffensive: Lust statt Frust‘ Allgemeingültigkeit bekommt. Durch die App ‚NYBY‘ konnten z.B. im Seniorenzentrum St. Martin in Essen viele Ehrenamtliche gewonnen werden.“

~Kathrin Borowczak, Einrichtungsleitung Seniorenzentrum St. Martin, Essen

Wie ein Pflegeheim jüngere Ehrenamtliche erreicht, beschreibt unser Artikel zur Gewinnung junger Ehrenamtlicher. Wie eine Einrichtung Ehrenamtliche direkt anspricht, zeigt die Ehrenamt-Seite der Katholischen Pflegehilfe Essen.

Schritt 5: Wie starten Sie den Pilot, wenn Sie eine App für Ehrenamtliche im Pflegeheim einführen?

Starten Sie mit einer Station oder einem Wohnbereich und einer kleinen Gruppe Ehrenamtlicher. Zeigen Sie in einer kurzen Einweisung, wie die App funktioniert und welche Tätigkeiten dazugehören. Legen Sie vor dem Start Zeitraum und Kennzahlen fest, zum Beispiel die Zahl aktiver Ehrenamtlicher und übernommener Einsätze.

Schulung und Begleitung entscheiden über die Dauer des Engagements. Das Modellprojekt in Halle nannte mangelnde Vorbereitung der Ehrenamtlichen als eine der größten Hürden, weil sie zu Überforderung und Fluktuation führt. Dort gab es eine zehnteilige Fortbildung zum Seniorenbegleiter und monatliche Treffen.

Paragraf 82b Absatz 1 SGB XI nennt vorbereitende und begleitende Schulung, Planung und Organisation der Einsätze sowie angemessenen Aufwandsersatz als Kosten, die stationäre Einrichtungen über die Pflegesätze geltend machen können, soweit sie nicht anderweitig gedeckt sind. Ob die Lizenz einer App darunter fällt, klären Sie mit Ihrem Kostenträger.

Schritt 6: Wie werten Sie den Pilot aus und gehen in den Regelbetrieb?

Vergleichen Sie die Zahlen aus dem Pilot mit Ihrer Ausgangslage und holen Sie Rückmeldungen von Pflegeteam und Ehrenamtlichen ein. Unterscheiden Sie zwischen registrierten und aktiven Ehrenamtlichen. Bei der Katholischen Pflegehilfe Essen waren nach wenigen Monaten rund 95 Ehrenamtliche registriert, davon engagierten sich 75.

Für Einführung und laufende Lizenzen nennt die Einrichtung rund 10.000 Euro. Inzwischen läuft die App dort auch im ambulanten Bereich. Beim Rollout übernehmen Sie Einweisung und Kennzahlen aus dem Pilot und weiten sie Wohnbereich für Wohnbereich aus.

Was zeigen die Beispiele aus Essen und Leverkusen?

Im Seniorenzentrum St. Martin in Essen wuchs die Gruppe von fünf auf 35 Ehrenamtliche. Neben Begleitungen entstanden ein Sing- und Musizierkreis und eine Holzarbeiten-Gruppe. Im CBT-Wohnhaus Opladen in Leverkusen läuft das gesamte Ehrenamt mit rund 30 bis 40 aktiven Ehrenamtlichen über Nyby. In beiden Häusern engagieren sich Menschen, die zuvor nicht erreichbar waren.

Ihr Einstieg in dieser Woche

  • Schreiben Sie fünf Tätigkeiten auf, die Ehrenamtliche in Ihrem Haus übernehmen könnten.
  • Notieren Sie, wie viele Ehrenamtliche heute aktiv sind und wer sie koordiniert.
  • Vereinbaren Sie einen Termin mit der oder dem Datenschutzbeauftragten.
  • Wählen Sie die Station für den Pilot.

Sprechen Sie mit uns über Ihre Einrichtung

Wir zeigen Ihnen, wie Einrichtungen in Essen und Leverkusen die Einführung gestaltet haben, und besprechen mit Ihnen, welcher Pilot zu Ihrem Haus passt. Gespräch mit Nyby vereinbaren

Häufig gestellte Fragen

Wie führe ich eine App für Ehrenamtliche in einem Pflegeheim ein?

Klären Sie zuerst Ausgangslage, Tätigkeiten und Datenschutz, benennen Sie eine feste Ansprechperson und starten Sie mit einer kleinen Gruppe auf einer Station. Werten Sie den Pilot nach dem festgelegten Zeitraum aus und weiten Sie die App danach Wohnbereich für Wohnbereich aus. Die sechs Schritte stehen oben in diesem Artikel.

Welche Lösungen gibt es für Pflegeeinrichtungen, um Ehrenamtliche effizienter zu koordinieren?

Neben manueller Koordination per Telefon und E-Mail gibt es Koordinierungsstellen wie Freiwilligenagenturen und Apps, in denen Einrichtungen Anfragen einstellen und Ehrenamtliche sich selbst melden. Jede Lösung braucht eine feste Ansprechperson im Haus. Nyby gehört zur Gruppe der Apps und läuft im CBT-Wohnhaus Opladen.

Welche Alternativen gibt es zu manueller Ehrenamtskoordination in Pflegeheimen?

Alternativen sind eine Koordinierungsstelle außerhalb des Hauses, etwa eine Freiwilligenagentur, die Ehrenamtliche gewinnt und vermittelt, oder eine App, über die Ihr Team Anfragen einstellt. Beides ersetzt nicht die feste Ansprechperson im Haus. Der Vergleich weiter oben zeigt, wann welcher Weg passt.

Welche Freiwilligenmanagement-Software sollte unser Pflegeheim einführen?

Wählen Sie nach Ihren Kriterien: Datenschutz und Auftragsverarbeitung, Tätigkeiten, die Ehrenamtliche selbst finden, Zusagen ohne Druck, Überblick für die Koordination und Hilfe bei der Einführung. Testen Sie die engere Auswahl mit einer kleinen Gruppe im Pilot, bevor Sie das ganze Haus umstellen.

Wie kann ich Ehrenamtliche schulen, begleiten und zuverlässig einsetzen?

Weisen Sie jede Ehrenamtliche und jeden Ehrenamtlichen in die Tätigkeit ein, benennen Sie eine feste Ansprechperson und bieten Sie regelmäßige Treffen an. Das Modellprojekt in Halle setzte auf eine zehnteilige Fortbildung und monatliche Treffen. Zuverlässig wird der Einsatz, wenn Tätigkeit, Grenze und Ansprechperson vorher feststehen.

Wie viel kostet eine Ehrenamts-App für ein Pflegeheim?

Das hängt von Lizenzmodell und Einführungsaufwand ab. Die Katholische Pflegehilfe Essen nannte der Zeitschrift Aktivieren rund 10.000 Euro für Einführung und laufende Lizenzen. Fragen Sie jeden Anbieter nach Einrichtungs- und Lizenzkosten und prüfen Sie mit Ihrem Kostenträger, welche Anteile unter Paragraf 82b SGB XI fallen.

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